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Skip the Middleman — Schweizer Wein, Geschichten und ein kleines Gefühl von Zeitreise

  • Autorenbild: Moon Löffler
    Moon Löffler
  • vor 13 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Die Skip the Middleman-Abende im Rechberg gehen diesen Sommer weiter — und das fühlt sich genau richtig an. Die Brüder Alexander und Raphael Guggenbühl haben die Serie mit einer einfachen Idee ins Leben gerufen: Schweizer Winzerinnen und Winzer direkt an den Tisch bringen, damit sie ihre eigenen Weine einschenken und ihre Geschichten persönlich teilen. Tisch für Tisch, Glas für Glas.


Am 10. April 2026 durfte ich am ersten dieser Abende teilnehmen. Wir schätzen die Weine von Patrick Adank und Alain Schwarzenbach schon seit Jahren — und sie persönlich zu erleben hat alles noch viel lebendiger gemacht.


Patrick und Alain verbrachten den ganzen Abend damit, von Tisch zu Tisch zu gehen, Weine einzuschenken und Geschichten mit den Gästen zu teilen. Fast unmittelbar nachdem wir uns gesetzt hatten, kam Alain mit zwei Weinen zur Auswahl vorbei. Wir entschieden uns für seine erste Empfehlung: einen Pinot Noir Chardonnay von Schwarzenbach. Von da an entfaltete sich der Abend langsam und grosszügig über sieben Gänge.


Was das Rechberg so besonders macht, ist dass ein Abend dort weniger wie "auswärts essen gehen" wirkt, sondern eher wie das Eintreten in einen anderen Rhythmus. Die Küche arbeitet mit lokalen Zutaten und konzentriert sich ausschliesslich auf Produkte, die es vor der Industrialisierung gegeben hätte. Es fühlt sich tatsächlich ein wenig an wie eine Reise in die Vergangenheit — aber mit aussergewöhnlichen Weinbegleitungen.


Das Menü startete stark und liess nie wirklich nach. Meine persönlichen Highlights waren die dekonstruierte Pilzpasta mit Cremeschaum und Walnüssen sowie die hausgemachte Lammwurst.


Was mich am meisten beeindruckt hat, war jedoch das Tempo des Abends. Essen und Wein zusammen schufen eine Art stille Fülle — einen Zustand, in dem alles langsamer wird. Ich war vollkommen präsent bei der Person, mit der ich zusammen war, und teilte Essen, Wein, Gespräche und Momente ohne Ablenkung.


Im Laufe des Abends erzählte Alain von seinen Familienweingärten — wie seine Grosseltern viele der Reben gepflanzt hatten, die verschiedenen Parzellen, die er heute bewirtschaftet, und wie jeder Standort im Laufe der Zeit seinen eigenen Charakter entwickelt. Diese Geschichten zu hören, während man die Weine trank, liess alles verbunden und lebendig wirken.


Nach dem Abendessen blieb ich mit Alain und einigen Gästen zusammen, die versuchten, ihn mit verschiedenen Kleinserien-Schweizer-Weinen aus dem ganzen Land zu verwirren. Er erkannte jeden einzelnen richtig. Ich war ehrlich gesagt verblüfft.


Die Person neben mir erzählte von einer Reise tief in ein Tessiner Tal, um eine besonders obskure Flasche zu finden, in der Hoffnung, ihn endlich zu überlisten. Alain kostete und wusste sofort, woher er stammte.


Der Sommer steht bevor: Die Serie geht weiter

Die nächsten Abende sind bereits in Planung, jeder mit anderen Winzerinnen und Winzern und saisonalen Menüs. Hier ist, was kommt:


Freitag, 12. Juni — Myra Zündel & Jonas Huber Zwei Familienbetriebe aus dem Malcantone, beide mitten in einem Generationenwechsel. Myra Zündel führt das biodynamische, Demeter-zertifizierte Gut ihres Vaters Christian mit Präzision und burgundischer Seele weiter. Jonas Huber hat das legendäre Weingut seiner Eltern Daniel und Anne-Marie übernommen und führt die Tradition des Montagna Magica mit mehr Eleganz und einer neuen Handschrift fort. Beide sind persönlich vor Ort.


Samstag, 11. Juli — Adrian Hartmann von Adrians Weingut (Oberflachs AG) Adrian Hartmann bewirtschaftet 4 Hektar im Schenkenbergertal biodynamisch, Demeter-zertifiziert, mit tiefem Respekt für Boden und Natur. Seit 2015 lebt er seinen Traum vom eigenen Weingut — Spontanvergärung, minimale Eingriffe, lange Hefelagerung. Pur und charakterstark.


Samstag, 25. Juli — Sven Hohl & Jonas Ettlin  Sven Hohls Bioweingut Rebhalde liegt hoch über dem Zürichsee mit Blick auf die Alpen — seit vier Generationen in Familienbesitz, und Sven wurde 2024 von der Falstaff-Community zum beliebtesten Jungwinzer der Schweiz gekürt. Elegante Cold-Climate-Weine, Spontanvergärung, maximaler Terroir-Ausdruck.


Freitag, 26. Juli — Madlaina Erni & Catherine Cruchon Zwei Frauen, zwei Regionen, eine gemeinsame Haltung: Wein als ehrliches Landwirtschaftsprodukt, nah am Boden, weit weg vom Mainstream. Madlaina ist die einzige Winzerin im Misox, die ihre Weine selbst abfüllt und verkauft — auf steilen Terrassen mit durchschnittlich 77 Prozent Neigung, auf Rebstöcken zwischen 45 und 100 Jahren. Catherine Cruchon ist diplomierte Önologin, ehemalige Schweizer Rudermeisterin und die nächste Generation der renommierten Domaine Henri Cruchon bei Morges — Demeter-zertifiziert, in dritter Generation geführt.


Menüs sind in 4 oder 7 Gängen erhältlich (CHF 95 / 120), mit Weinbegleitung in zwei Grössen. Türöffnung um 18:30 Uhr, Eventbeginn um 19:00 Uhr. Plätze sind beschränkt —

 
 
 

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